Florian Wüst


Allgemeine Wissenschaften

Kunst und Design
Aktuelle Kurse

  • Ich, die Maschine
    Seminar
    Kurs Nr.: AWi
    Semester: SS 2022

    In der 100-jährigen Geschichte des experimentellen Films haben Filmemacher*innen und Künstler*innen  immer wieder die materiellen Bedingungen ihres Mediums untersucht: Licht, Bewegung, der Filmstreifen aus Zelluloid, mit dem Aufkommen von Fernsehen und Video das elektronische Signal. Was als „abstrakter“ oder „absoluter Film“ begann, sollte ohne Narration und Wirklichkeitsbezug Emotionen evozieren und Sehgewohnheiten revolutionieren. Gleiches gilt für den Ton, dem sich durch die Möglichkeiten der elektronischen Musik neue Klangwelten eröffneten. Technische Geräte und Apparaturen bringen mehr oder weniger automatisierte Abläufe mit sich –  sei es der das menschliche Auge übertreffende Mechanismus einer Kamera oder das Programm eines Computers. Letzteren beschreibt Gene Youngblood in seinem Buch „Expanded Cinema“ (1970) als die ultimative ästhetische Maschine: „Meißel, Pinsel und Leinwand sind passive Medien, während der Computer aktiv am kreativen Prozess teilnimmt.“ Youngblood definiert das Expanded Cinema der 1960er Jahre als die Transformation des experimentellen Films hin zu den neuen Medien Fernsehen, Video und Computerkunst. Eine zweite Strömung des Expanded Cinemas bezog sich auf die räumliche Erweiterung des Kinos, auf Mehrfachprojektionen und performative Aktionen, die, wie VALIE EXPORT in ihrem „TAPP und TASTKINO“ von 1968, so weit gingen, eine Kinoerfahrung zu produzieren, die ganz ohne Film auskommt. Durch die Idee von Film als eine taktile, direkte Erfahrung eignete sich EXPORT den Körper der Künstlerin als Ausdrucksmittel an und befreite gleichzeitig dessen Bild von der sozial vorgeschriebenen Rolle und der Objektivierung der Frau. Mit einem Schwerpunkt auf Expanded Cinema und feministische Kunst spannt das Theorieseminar von[b] Ich, die Maschine [/b]einen Bogen vom Advantgardekino der 1920er Jahre über den strukturellen Film und die Anfänge der Video- und Computerkunst bis zu den digitalen Medien, und befragt vor diesem Hintergrund das ambivalente Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, welches dem heutigen künstlerischen Arbeiten mit zeitbasierten Medien einmal mehr zugrundeliegt. Neben der gemeinsamen Sichtung und Diskussion von Filmen werden verschiedene andere künstlerische Formate sowie technische Artefakte, Archiv- und Textmaterialien in die Betrachtung einbezogen. Die Geschichte der Kunst ist immer gleichzeitg eine Geschichte gesellschaftlicher und technischer Veränderungen. Das Theorieseminar wird zusammen mit dem[b] Ich, die Maschine[/b]-Praxisseminar (Integrierende Projekte ID.BA.IP.10, [url=https://portal.hfk-bremen.de/myartist/courses/Seiten/SS2022.aspx?APPNAME=CampusNet&CNWPID=g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba&CNWPID=g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba,g_f86cd63e_1072_4e6c_ae85_8cf730eba9ba&PRGNAME=COURSEDETAILS&ARGUMENTS=-N872746978907711,-N000000,-N0,-N381664386645501,-N381664386605502,-N0,-N0,-N0]Link zur Lehrveranstaltung[/url]) von Beat Brogle angeboten, kann aber auch ohne Teilnahme am Praxisprojekt besucht werden. Florian Wüst lebt und arbeitet als Filmkurator, Künstler und Verleger in Berlin. Er kuratiert Filmprogramme für internationale Kunstinstitutionen, Kinos und Festivals. Von 2016 bis 2020 war Wüst Film- und Videokurator der transmediale. Er ist Mitgründer der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt.
  • Schnitt, meine schöne Sorge
    Gestalterische Projektarbeit
    Kurs Nr.: ID.BA.KP.04
    Semester: WS 2022/23

    [i]Wenn Inszenieren ein Blick ist, dann ist Schneiden ein Herzschlag.[/i] (Jean-Luc Godard, Schnitt, meine schöne Sorge, 1956) [i]Es versteht sich, dass jede Verkettung von Bildern Auswirkungen auf das einzelne Element hat: Sie zeigt, worauf die Bilder hinauswollen, macht sie rückwirkend eindeutiger; zeigt, was ihnen noch fehlte, komplettiert sie; betont oder zentriert gewisse Informationen, verstärkt oder verdoppelt sie; lässt sie als Glied einer Reihe erscheinen oder als Pol einer Binarität; stellt sie richtig, repariert Missverständnisse, erklärt das vorangehende Bild zum Fundament der folgenden – oder gerade nicht.[/i] (Christine N. Brinckmann, Die poetische Verkettung der Bilder, 2011) [i]Schuß-Gegenschuß, das heißt: es gibt ein Bild von etwas zu sehen, und danach ein Bild vom Gegenüber. Weil das Kino zu 80 Prozent aus dialogischen Situationen besteht, gibt es meistens einen Menschen, der nach rechts schaut, und dann einen, der nach links schaut, und so weiter. Auch, daß der erste nach links einen Revolver hält und der zweite die Hände nach rechts gewendet hochstreckt; und die Frau, die nach rechts lächelt, und der Mann gegenüber, der nach links ein von diesem Lächeln Angerührtsein zeigt.[/i] (Harun Farocki, Schuß-Gegenschuß. Der wichtigste Ausdruck im Wertgesetz Film, 1981) In der Montage, zwischen den einzelnen Einstellungen des Films, geschieht etwas, das wir nur schwer festhalten können, etwas Offenes, etwas, das uns dennoch reizt. Bilder unterschiedlicher Herkunft konstruieren sich wie von selbst zu einer eigenen neuen Bedeutung. Dabei ist das einzelne Filmbild ebenso wichtig wie der Zusammenhang, den es erzeugt: fließende Übergänge, klärende Kontraste, verunsichernde Dissonanzen. Zwischen zwei Filmschnitten kann die Geschichte der Menschheit liegen, es kann die Transformation einer Ameise zum Universums erfolgen, ein Schockmoment entstehen, ohne dass die Bilder davor oder danach in irgendeiner Weise schockierend wären, zwei Körper sich vereinigen, obwohl diese sich auf unterschiedlichen Kontinenten befinden. Im Kurzprojekt [i]Schnitt, meine schöne Sorge [/i]liegt es in eurer Hand, was mit den bewegten Bildern und Tönen geschieht. Im Rahmen der praktischen Schnittübung plant und entwickelt ihr eure eigene audiovisuelle Präsentationsform. Das kann ein Video, eine Videoinstallation oder eine Videoperformance sein. Dass Film sich vor allem für Narration eignet, ist ein Missverständnis. Im lustvollen Handwerken an der Kombination von Bildern und Tönen werden die Möglichkeiten des Schnitts und dessen Folgen für Aussage, Stimmung und Assoziationsräume untersucht. Das Praxisprojekt wird von Theorieeinheiten begleitet, die in Form von gemeinsamen Textstudien und Sichtungen von Filmen von u.a. Harun Farocki, Gunvor Nelson und Thomas Imbach die künstlerischen Methoden der Filmmontage analysieren. Die Lust am Experimentieren im Wechselspiel mit theoretischer Reflexion steht in Schnitt, [i]meine schöne Sorge [/i]im Vordergrund. Durch die Verbindung von gestalterischer Konzeption und künstlerischem Umgang mit der Technik erlangt Ihr Praxiskompetenzen im komplexen Arbeitsbereich des bewegten Bildes und der neuen Medien. Ziel des Kurses ist, zu den Hochschultagen 2023 eine gemeinsame öffentliche Präsentation der entstandenen Arbeiten zu entwickeln.

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